Dietramszell
Dietramszell liegt zwischen München und Bad Tölz, begrenzt von der reißenden Isar im Westen inmitten der voralpenländischen Moränenlandschaft. Die Gemeinde erstreckt sich auf 60 Ortsteile und Weiler, die auf einer Fläche von 96,78 km² verteilt sind. Die Großgemeinde hat seit dem Jahr 2000 die Einwohnerzahl 5000 überschritten.
Außer Kies, Sand und Torf, die nur in geringem Umfang abgebaut werden, hat die Gemeinde keinerlei Bodenschätze. Haupteinnahmequelle bildet die Landwirtschaft mit Wiesen-, Weide- und Waldwirtschaft.
Obwohl der Ortsverband keine Fremdenverkehrsgemeinde im eigentlichen Sinne ist, bietet er dennoch in Gasthöfen und Privathäusern gute Unterkünfte für Erholungssuchende. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich außerdem auch hier die "Ferien auf dem Bauernhof". Viele Orte der Gemeinde werden schon sehr früh in Urkunden erwähnt, wie z. B. Hechenberg um 776. Neben den freien Bauern waren vermutlich die Grafen von Andechs Grundherren in dieser Gegend.
900 Jahre Dietramszell - Von der Einsiedelei zur Großgemeinde
Die Ortsgeschichte von Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beginnt mit der Gründung des Klosters im Jahre 1098. Zwei fromme Männer, Otto und Berengar, und der Priester Dietram ließen sich in der Gegend des heutigen Klostergutes Reith zu einem beschaulichen Leben als Einsiedler nieder. Später erbauten sie ein kleines Klösterlein mit Zelle und Kirche, die dem heiligen Martin geweiht war, woher der Ort seinen ursprünglichen Namen Martinszell erhielt.

Dietram pilgerte zweimal nach Rom, worauf das Kloster 1107 durch Papst Paschalis II. und 1123 durch Papst Calixtus II. seine Bestätigung bekam. Im Jahre 1147 starb Dietram. Kloster und Kirche, in der Folgezeit nach dem Gründer Dietramszell benannt, wurden 1156 durch die Bischöfe Otto I. von Freising und Hartmann von Brixen geweiht.
Der Zeller Wald bis hin zum Teufelsgraben ging auf eine Stiftung des Abtes Udalschalk von Tegernsee zurück. Auf diesem Besitz lasteten viele Auflagen. Außerdem zog sich an die 600 Jahre lang ein Streit mit dem Kloster Tegernsee hin, welches Einfluß bei der Wahl der Pröpste und Kontrolle der Rechnungslegung forderte. Das Kloster brachte es nie zu Reichtum.
Folgende umliegende Orte gehörten im 15. Jahrhundert zur Hofmark Dietramszell: das Dorf Schönegg, die Siedlungen Mühltal und Osten, die Schwaigen Reith und Trießberg, die Weiler Ried und Leismühl. Die Menschen mußten dem Kloster den Zehnten abliefern und Frondienste leisten. Mehrere Familien standen ganz im Dienste des Klosters: Fischer, Müller, die Arbeiter der Brauerei, des Ziegelstadels und der Kalkbrennerei.
Schwere Zeiten in Dietramszell
Nachdem das Kloster bereits vorher zweimal Feuerschaden erlitten hatte, wurde es mitten im Dreißigjährigen Krieg, im September 1636, zum dritten Male ein Raub der Flammen. Im Mai 1632 hausten die Schweden in Dietramszell.
Am Fest Christi Himmelfahrt, am 20. Mai, wurde der Propst von den Schweden gefangen genommen. Erst nachdem die Isarwinkler einige Tage später, am 26. Mai 1632, im Zellerwald bei der Zwieselbrücke den Feind geschlagen hatten, beruhigte sich die Lage. In den Jahrzehnten nach dem Westfälischen Frieden drohte dem verarmten Kloster die Auflösung. Die Rettung brachte Dekan Petrus Offner von Beuerberg, der zum Propst gewählt worden war. Ihm gelang es, die Schuldenlast seiner Vorgänger abzutragen.
Er errichtete auch die jetzige Klosterkirche Sankt Martin. Dekan Petrus Offner von Beuerberg verstarb am 15. Juli 1728. Sein Nachfolger wurde Dietram II. Hipper, als Barockprälat bezeichnet. Während seiner 26jährigen Regierungszeit entstand der größte Teil des heutigen Klosters sowie die jetzige Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in ihrer barocken Pracht.
Unglück
Aber schon kam wieder Unglück über das Kloster. Nach dem Einbringen der Ernte brannte 1766 der Nordhof ab. Die folgenden Teuerungsjahre 1772/73 trafen dadurch besonders hart. Der nächste Schlag war die französische Besatzung 1801, dem dann schließlich 1803 die Säkularisation folgte. Die Augustiner Chorherren mussten das Kloster verlassen. Bei der Versteigerung erwarb Mathias von Schilcher den kleinen östlichen, den ganzen südlichen und den an die Kirche anschließenden westlichen Teil des Klosters, den Sonnen- und Nordhof, den Ziegel- und Zimmerstadel sowie den Kalkofen. Brauerei und Schenke, damals im Hauptgebäude, wurden weiterbetrieben, ebenso die Ziegelei und der Kalkofen. Von den Grundstücken des Klosters an Garten-, Wiesen-, Acker- und ödland mit 516 Tagwerk erwarb Mathias von Schilcher 487 Tagwerk, der Rest ging in kleinen Teilen an die dörflichen Grundbesitzer über.
Frauen im Kloster
Vom Waldteil wurden 2200 Tagwerk erworben. An Stelle der Augustiner zogen nun in den drei Flügeln nördlich der Kirche die Klarissinnen aus dem Münchner Angerkloster vorübergehend ein. Zuletzt siedelten 1831 die Salesianerinnen von Indersdorf mit den Zöglingen ihres Institutes nach Dietramszell über. Die Mädchenschule, früher vorwiegend von Töchtern aus Adels- oder Offiziersfamilien besucht, musste nur vorübergehend während der Hitlerzeit geschlossen werden. Im Jahre 1958 kauften die Salesianerinnen den 1803 versteigerten Teil des Klostergebäudes zurück und gewannen dadurch Raum für ihre Mädchenrealschule mit Schülerinnenheim. Diese bestand bis zum Jahre 1990. In den Räumlichkeiten sind jetzt eine Montessori-Schule und ein Kindergarten untergebracht.
Die Bürger von Dietramszell
Wie das Kloster die Stürme der Vergangenheit überstand, so litten auch die Dietramszeller Bürger die gleichen Notzeiten mit: Mord, Plünderung und Pest im Dreißigjährigen Krieg, Besatzung von Schweden, österreichern und Franzosen, Missernten und Teuerung. Sie hatten ihre Verluste bei der Sendlinger Mordweihnacht 1705 zu beklagen, wie in den Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie ertrugen das Los der Leibeigenschaft und Abhängigkeit, lebten unter dem Krummstab, unter Königen und Diktator und haben heute in der Demokratie ihr Geschick so weit als möglich in die eigenen Hände genommen.
Großgemeinde durch Gebietsreform
Im Zuge der Gebietsreform entwickelte sich Dietramszell zuletzt zum Mittelpunkt einer Großgemeinde. Im Jahre 1971 schlossen sich die fünf Gemeinden des Schulverbandes zusammen: Baiernrain, Dietramszell, Föggenbeuern, Linden und Manhartshofen. Im Jahr darauf entschieden sich auch die Bürger von Ascholding zum Anschluß. Schließlich stimmten 1975 auch die Bürger aus den Stimmbezirken Bairawies, Habichau und Hechenberg der Gemeinde Kirchbichl für eine Eingemeindung nach Dietramszell. Im Mai 1978 hat so mit dem Gebiet von Kirchbichl-Nord die Gemeinde Dietramszell ihre endgültige Gestalt erhalten.
Kurzinfo: Dietramszell
Gesamtfläche: 96,78 km²
Bewohner: ca. 5.200
Höhe: 685 m ü. NN
Highlights: Kath. Pfarrkirche (Barock, Rokoko) im 1098 gegründeten Kloster Dietramszell
Anreise: über die A95 bis Ausfahrt Wolfratshausen, dann auf der B11 bis Geretsried, von dort über Peretshofen, Humbach und Thankirchen nach Dietramszell; oder über die A8, Ausfahrt Holzkirchen (A8) möglich
Tourist-Info: Gemeinde Dietramszell, Am Richteranger 10, 83623 Dietramszell, Tel. (080 27) 9058 - 0,
